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Freitag, 23. März 2012

5. Etappe: von Heubach bis Böbingen


Wegverlauf:
Heubach - Rosenstein- Finsteres Loch - Große Scheuer - Haus - Essingen - Böbingen

Weglänge: 33 km


Anreise: mit dem Zug nach Schwäbisch Gmünd und dann mit dem Stadtbus nach Heubach.

Rückfahrt: mit dem Zug direkt nach Stuttgart.

Es hatte sich gelohnt ein wenig zu warten. Bei meiner letzten Etappe gab es noch sehr viel Eis und Schnee und ich wollte den Rosenstein unbedingt ohne die Glätte besteigen. Letzte Woche war es dann so weit. Und es war außerdem noch ein wunderschöner Tag mit Sonnenschein und beim Aufstieg habe ich die erste gelbe Frühlingsblume gesehen, deren Name ich leider nicht kenne. Was will man mehr? Vom Stadtkern geht es links hoch auf den Rosenstein. Man folgt hier auch dem HW1, also dem roten Dreieck, das einen bis nach ganz oben begleitet. Aber zunächst bin ich nur bis zum Beginn der Felsen hoch gelaufen. Wie beim letzten Mal als ich auf dem HW1 gewandert bin, haben mich die Felsen wieder fasziniert. Sie sind wunderschön. Sie erinnern mich ein wenig an Frankreich. Man kann auch links an den Felsen vorbei (der Weg geht jedoch rechts weiter). Ich bin ein gutes Stück dort gelaufen, schon aus Neugierde. Man sollte aber sehr trittsicher sein. Nach dem letztmaligen Abrutschen setze ich heute die Füße etwas vorsichtiger. Aber spannend ist dieser Weg, weil es so selten begangen wird. Das sieht man gleich. Auf dem Weg zurück sehe ich unten im Wald zwei Rehe springen. Wie schön. Dann rennen sie zurück und wieder vor und ein drittes Reh kommt dazu. Sie stehen eine Weile rum und ich kann sie beobachten. Das ist selten. Meistens laufen sie gleich weiter. Aber vielleicht haben sie mich nicht bemerkt, weil ich so weit oben bin. Als sie weg sind laufe ich zurück zu der Felswand mit der Höhle und staune nicht schlecht: es hängt ein Seil herunter. Aber wo ist der Kletterer? Ein wenig später kommt er vom Berg herunter gelaufen. Er hat wohl eben das Seil oben festgebunden. Er grüßt freundlich und wir unterhalten uns ein wenig. Er will die Morgensonne nutzen. Auch ihn erinnern die Felsen an Frankreich. Er erzählt, dass er doch schon beim Klettern war. Und er war auch in der Höhle vor uns, die man heute nur am Eingang betreten kann, da Fledermäuse darin vermutlich noch im Winterschlaf sind. Der Kletterer erzählte mir, dass man in der Höhle jedoch recht schnell nur noch kriechen kann. Vielleicht habe ich doch nichts verpasst. Ich setze mich eine Weile auf dem Fels in die Sonne und genieße sie.

Die Vögel freuen sich richtig über den schönen Tag. Sie fliegen in einem Affentempo im Zickzack durch die Bäume und veranstalten ein richtiges Orchester. Haubenmeisen, Gimpel, jede beliebige Art von Meisen und natürlich Amseln. Irgendwann breche ich auf, da noch ein langer weg vor mir liegt. Mein rüber gerufenes "Tschau" hört der Kletterer gar nicht. Er ist voll konzentriert.

Es geht ein Stück nach oben und dort ist die Ruine Rosenstein, die ich schon vom Scheuelberg gesehen hatte. Man kann durch die noch vorhandenen Fenster auf die Landschaft schauen. Weiter geht es über eine grüne Metallbrücke, die mir gut gefällt. Sie spannt sich mit einem Bogen über die Felsspalte. Man sieht der Erde an, dass hier bis vor kurzem noch Schnee lag. Vereinzelte Flecken sind sogar noch im Schatten und ganz oben auf dem Berg vorhanden. Es geht über den gesamten Rosensteinberg. Und dann sehe ich links einen tollen Abgang in einer Felsspalte und mit einem Metallseil als Handlauf. Wow, denke ich noch, super Weg und traue meinen Augen nicht, als ich das gelbe Schild hinunterweisen sehe. Auf der Alb scheint also auch dieser Fernwanderweg dann mal schöne Wege zu verwenden. Ich gehe aber erstmal nach rechts, weil ich noch zum finsteren Loch will. 

Die Höhle ist nicht leicht zu finden. Man folgt der roten Gabel rechts um die Kurve und dann sieht man einen breiten, aber wenig begangenen Weg nach unten. Eigentlich sollte er mit dem blauen Dreieck markiert sein, aber das sieht man erst weiter unten. Auf der Karte sehe ich, dass die Höhle auf halber Hanghöhe sein muss und laufe meinem Instinkt folgend nach links als der Hang links so etwas wie einen Vorsprung bietet. Und tatsächlich! Ich habe die Höhle auf Anhieb gefunden. Wildromantisch sieht sie aus. Davor ein uraltes Gitter und der Felsvorsprung weiter vorne, rechts daneben ein Baum, dessen viele Wurzeln über die Steine und Felsen greifen. Leider ist die Höhle zu, da Fledermäuse drin sind. Für Höhlenerforschungen sollte man besser das zweite Halbjahr nutzen. Aber man kann reinschauen. Als ich näher trete fliegen Vögel, Kleiber, heraus. Und nun sehe ich warum die Höhle finsteres Loch heißt. Denn genau das ist es.

Ich gehe zu dem schönen Weg zurück und laufe die Felsspalte runter. Hier ist noch Eis und ich muß sehr aufpassen. Die mitgebrachten Wanderstöcke sind mir dabei sehr nützlich. Und dann sehe ich sie: die große Scheuer. Auf Photos sieht sie schon phantastisch aus, aber sie selbst zu sehen und durchzugehen ist unbeschreiblich. Die Höhle ist riesig und heißt zu recht Scheuer. Wie ein Tunnel. Man kommt an zwei Stellen nach draußen. Ich bin tief beeindruckt.

Ein Vater mit vier Kindern kommt mir entgegen. Drei Mädchen, die genauso staunend die Höhle erkunden wie ich und ein Kleinkind auf dem Rücken. Alle Achtung. Wir unterhalten uns ein wenig. Er staunt als ich erzähle, dass ich das finstere Loch gesehen habe, da er es bereits erfolglos oben gesucht hat. Und nun ist er auf der Suche nach der Höhle "Das Haus", hat aber nur eine Fahrradkarte im Maßstab 1:75000 dabei. Man erkennt nicht wirklich wo die Höhlen sein sollen. ich schicke ihn runter dem gelben Schild nach, weil ich vermute, dass dort die nächste Höhle ist und schaue die Scheuer nochmals in Ruhe an. Ich photographiere sie aus allen möglichen Winkeln in der Hoffnung, dass man die Größe auf dem Photo erkennen kann.

Als ich den Weg nach unten laufe und intuitiv nach links abweiche wieder ein Stück hoch und an den Felsen sehe ich schon die Kinder am Höhleneingang. Das Haus. Eine schöne Höhle. Wir gehen vorsichtig umher. Die Kleine mit den blonden offenen Haaren (Vater: "ich hatte Dir doch gesagt, du sollte sie zusammenbinden") und der coolen Sonnenbrille, die sie auch in der Höhle nicht absetzt, will unbedingt eine Fledermaus sehen, hat aber gleichzeitig Angst, dass sie von einer gebissen wird. Eine Fledermaus finden wir leider nicht.

Den Hang laufe ich schnell runter, da mir ein Blick auf die Uhr gezeigt hat, dass ich sehr sehr lange auf dem Rosenstein gebraucht habe und Sorge habe, die Etappe heute überhaupt zu schaffen. Also mal richtig Gas geben. Auf der Ebene ist das auch nicht weiter schwer, das Sehenswerte habe ich gesehen, jetzt geht es auf normalen Wanderwegen weiter durch Lautern und weiter durch den Wald, einige Schleifen macht hier der Remstalhöhenweg, die ich nicht verstehe. Ein Waldarbeiter schaut mich an wie ein Auto anstatt meinen Gruß zu erwidern. In den Vorgärten blühen Winterlinge und Krokusse, manchmal Schneeglöckchen. Es geht durch Lauterburg und dann macht der Weg kehrt. ich bin an seinem östlichen Ende angelangt. Von nun an geht es wieder Richtung Westen zurück nach Stuttgart. Wow. Aber wo ist der Remsursprung, der hier sein soll? Hinter Lauterburg ist ein Skilift und eine große Hütte. Der Weg geht dran vorbei und dann sehe ich ein zweites Schild: "Alternativweg zum Remsursprung". Na den nehme ich doch gleich, obwohl es mich verwundert, dass rechts auch der Remstalhöhenweg ab geht. Und dann sehe ich warum: der Alternativweg geht über die Skipiste und dann unter einem weiteren Skilift den Berg runter. Im Winter kann man den Weg definitiv nicht laufen. Es zieht sich noch eine Weile bis man zum Remsursprung kommt. Wie unscheinbar doch ein Fluss beginnt!

Von hier geht es ein Stück durch den Wald und dann nach Essingen hinein - und komplett durch. Die Stadt habe ich, glaube ich, von allen Seiten gesehen. Wie wenn der Weg hier eine Tourismusförderung wäre führt er im Halbkreis durch den Ort vorbei an allen Sehenswürdigkeiten - Kirche, Pfarramt, Schloss, Schule, Sportplatz - you name it - I've seen it. In der Stadt und ihrer Umgebung wird Pferd ganz groß geschrieben. Überall gibt es Pferdeställe und außerhalb Höfe mit Reitschulen. Ein Pferd auf der Weise schaut mich von weitem an und als ich es anschaue kommt es hergelaufen und lässt sich streicheln. Das Pferd auf der Nachbarkoppel will daraufhin auch gestreichelt werden. Und mir geht es gut.

Ab Essingen geht es weiter auf Asphalt bis zum Limesweg. Leider ist das sehr viel Asphalt. Interessant ist, dass ich hier jetzt wirklich umdrehe und nun wieder zurück laufe, nur auf der anderen Seite der Rems. Ich sehe auch schon den Bergrücken des Rosensteins. Ich werde vermutlich auf dem ganzen Rückweg den Hinweg sehen. Das könnte spannend werden.. Und prompt sehe ich ein Stück weiter die allgegenwärtigen drei Kaiserberge. Als ich über die Bundesstraße und Bahnlinielaufe habe ich nicht nur das Gefühl umzudrehen wie in Essingen, sondern endgültig das Gefühl zurück zu gehen. Der Regionalzug aus Aalen fährt an mir vorbei. Wenn ich diese Strecke wieder fahre werde ich sie mit anderen Augen sehen.

Es geht durch Mögglingen. Und hier beschließe ich spontan weiter bis nach Böbingen zu gehen. ich habe noch Zeit bevor sich der Tag seinem Ende zuneigt. Juhu! Weiter geht es. Das verleiht mir gleich Energie. Und dann gehe ich auch noch auf einem richtig tollen Weg. Der Remstalhöhenweg verläuft hier auf dem Limeswanderweg, dem HW6. Direkt auf dem Limes und an schönen Infotafeln vorbei. Man sieht Hügelgräber - auch eines, das zu einem Ofen gemacht wurden - kein Wunder, dass die Kelten die Römer nicht mochten, wenn die nicht mal die Gräber ihrer Ahnen ehren. Und unscheinbare Hügel, die der Überrest eines Turmes sein sollen. Leider habe ich viel zu wenig Zeit für diesen wunderbaren Weg. ich möchte Gas geben, um vor der Dunkelheit am Bahnhof zu sein. und das schaffe ich auch locker. Eine Fahrkarte habe ich schon, aber der Zug braucht noch zwanzig Minuten. Also setze ich mich auf eine Bank weiter vorne am Gleis und ziehe Schuhe und Socken aus und massiere etwas die geplagten Füße, die sich etwas darüber beschwerden, dass ich am Schluss so auf die Tube gedrückt habe. Als der Zug aus der Gegenrichtung anhält schauen mich die aussteigenden Leute wie ein Auto an, obwohl ich aufgehört hatte zu massieren. Aber an dem Frühlingstag mit nackten Füßen am Bahnhof zu sitzen ist wohl nicht so gängig :-)

Sonntag, 26. Februar 2012

4. Etappe: von Schwäbisch Gmünd nach Heubach

Wegverlauf:
Schwäbisch Gmünd – Strassdorf – Kriegsebene – Weiler – Scheuelberg – Fastnethöhle - Heubach

Weglänge: 25 km


Ja, es hat geklappt. Nach 3 Wochen eisiger Kälte bin ich dann wieder auf den Remstalhöhenweg. In den 3 Wochen war ich nicht einmal wandern. Es war einfach zu kalt! Minus 10 bis minus 15 Grad. Da macht man doch lieber was anderes und igelt sich ein bisschen zu Hause ein. Wie groß war dann die Freude über den Wetterbericht von dieser Woche: nach Schneeschmelze in den unteren Lagen und Regen sollte es diese Woche nun sonnig werden und Temperaturen (zumindest tagsüber) leicht über null. Ich muss raus! Jetzt hält mich nichts mehr.

Der Wecker morgens allerdings schon fast. Durch die Pause bin ich so faul geworden, dass ich mich gefragt habe, was mich geritten hat für diesen Tag wandern zu wollen. Ich hab mich nochmals umgedreht. Aber zum Glück kannte ich das schon von anderen Wanderungen. Denn wen man dann mal unterwegs ist denkt man nicht mehr ans länger schlafen, dann will man nur noch raus.

Also wieder mit dem Zug nach Schwäbisch Gmünd und entlang dem Weg mit dem blauen Blaken zum Teilort Strassdorf / Ziegelhütte und dort dann weiter am Sportplatz vorbei über die Felder auf den Remstalhöhenweg. So früh am Morgen war es noch richtig kalt und ich war froh um Mütze und Handschuhe, aber bald war ich eingelaufen und hab sie nicht mehr gebraucht. Von hier oben hat man einen wunderbaren Blick auf die 3 Göppinger Hausberge: den Stuifen, Rechberg und Hohenstaufen. Warum man die Göppinger Hausberge nennt ist mir nicht ganz klar, man könnte sie genauso gut die Schwäbisch Gmünder Hausberge nennen, von der Stadt sind sie genauso weit weg wenn nicht gar näher. Für das Frühjahr nehme ich mir gleich eine Wanderung über alle 3 Berge vor. Das sollte von den Kilometern her machbar sein.

Von den Feldern dann erstmal wieder runter ins Tal (war ich nicht gerade eben erst hoch gelaufen?!), vorbei am Krematorium. Als ich dort lief wurde gerade ein Sarg ausgeladen und aus dem Kamin kam Rauch. Eine komische Vorstellung, dass der Rauch von Menschen stammt. Sehr diskret gemacht das Krematorium. Für ein modernes Krematorium finde ich es richtig gut. (Zugegebenermaßen kenne ich bisher nur das Stuttgarter auf dem Pragfriedhof, das wie ein Gebäude aus Gotham City aussieht.)

Weiter geht es über Felder. Ich höre die Vögel zwitschern, wie sie sich auf den Frühling freuen. Die ganze Zeit während der Eiseskälte habe ich sie nicht gehört. Wie schön sie wieder zu hören. Wenn man in die Hocke geht und ganz leise ist, hört man es knacken und knistern, wie in der Sonne der Raureif und das Eis über dem Acker schmilzt. An anderen Stellen finde ich zugefrorene Pfützen, lang gezogene eisbedeckte Furchen am Wegrand. Ich hinterlasse eine Spur der Verwüstung. Ich kann Euch sagen, das macht süchtig – mit Wucht reintreten, oder einfach nur drauf stehen und es knacken hören wie das Eis bricht. Eins nach dem anderen, und so viel Eis! An dem Acker, an dem ich vorbei gelaufen bin ist keine einzige Eisplatte mehr ganz. Passend zum heutigen Faschingsdienstag treibe auch ich auf meine Art den Winter aus :-)

Nun geht es bergan zum Wald. Der Weg ist teilweise spiegelglatt. War der Schnee unten im Tal bereits komplett verschwunden nimmt er nun mit den Höhenmetern zu und außerdem gibt es auf dem Weg jede Menge Eis. Teilweise ist der Weg komplett unter einer zentimeterdicken Eisschicht begraben. Man kann nur langsam und vorsichtig laufen. Es sieht aus wie wenn der Schnee angetaut wäre, den Weg hinuntergeflossen und dort wieder als Wasser gefroren.

Und dann beginnt die Kriegsebene. Ich habe es wohl auf der Karte gelesen, aber was ich hier sah, hatte ich nicht erwartet. Unzählige Bunker. Man sieht auch noch genau wo die Schützengräben waren. „I will never understand how man can see the wisdom in a war“ summe ich vor mich hin. Ich kann mich genau erinnern, als ich diese Liedzeile auf einem Chris deBurgh Konzert in der Liederhalle gehört habe. Das Publikum kannte das Lied natürlich und es herrschte absolute Stille, als er diesen Satz sang. Und anschließend zustimmender respektvoller Applaus. Gänsehaut. An einem Bunker finde ich eine Hinweistafel, die beschreibt, dass heute Fledermäuse in den Bunkern überwintern und auch im Sommer hier Rast machen. Eine friedliche Nutzung. Warum nicht gleich so?

Von der Kriegsebene geht es in einem lang geschwungenen Weg den Berg runter. Die Winterlandschaft sieht hier herrlich aus. Unten bei den Steinbacher Höfen liegt aber kein Schnee mehr. Hier mache ich auf ein paar Baumstämmen Rast und genieße die Sonne am klaren blauen Himmel. Auch wenn es mir hier gefällt muss ich irgendwann weiter.

Ich komme an einem Stall und einer Weide vorbei, auf der Hochlandrinder stehen! Sie schauen mich neugierig an, ich sie auch. Die zotteligen Haare hängen ihnen bis über die Augen. Dass die mich überhaupt sehen können! Stolze Hörner haben sie. Eine gescheckte Katze lässt sich wenig davon beeindrucken und sonnt sich auf Baumstämmen.

Dann geht es durch den schönen Ort Weiler. Überall auf den Straßen liegt noch Konfetti vom Fasching. Und kaum geht es wieder aus dem Ort raus und den Berg rauf, liegt wieder Schnee, wie wenn es keine Landschaft ohne Schnee gäbe. Der Schnee glitzert in der Sonne.

Und dann ein magisches Erlebnis: ich stoße auf den HW1, den Albnordrandweg, den ich letztes Jahr gelaufen bin (siehe mein Blog Albumrundung). Was für ein Gefühl das rote Dreieck wieder zu sehen! Auf den Wegweisern steht woher der Weg kommt, den Bargauer Kreuz. Ja, daran kann ich mich erinnern. Phantastisch. Und ich weiß auch noch wie es weiter geht. Vor meinem inneren Auge sehe ich es schon. Der Remstalhöhenweg läuft jetzt eine zeitlang auf dem HW1. Ich bin gespannt an was ich mich noch erinnern kann. Und es ist eine Menge wie sich herausstellen wird.

Es geht das Himmelreich rauf. Ein alter Mann fragt mich wie weit es noch ist. Seine Frau ist schon weiter oben und ruft ihn. Die beiden wollen dort einkehren. Na, ob die Gastätte zu der Jahreszeit auf hat? Das bezweifle ich. Die Frau ist jedoch sicher, dass es so sein wird und keift zu ihrem Mann er solle kommen, sie sähe es schon. Er will’s ihr nicht glauben. Ob sie je oben angekommen sind weiß ich nicht. Jedenfalls hat das Ding wie vermutet zu und ich laufe weiter und setze mich auf eine Bank mit einem phantastischen Ausblick. Vor einem Jahr lag ich hier und habe eine Weile geschlafen. Die Erinnerung kommt gleich. Auch als ich in eine kleine Senke wandere bevor es auf den nächsten Berg geht: hier stand ich und hab ein Photo gemacht. Ich versuche das gleiche Photo zu machen und vergleiche es später zu Hause: einmal im Sommer aufgenommen und einmal im Winter. Faszinierend.

Weiter geht es zum Scheuelberg. Hier liegt richtig viel Schnee und das Wandern ist anstrengend. Egal, das gibt Kondition! Es geht einen langen Waldweg entlang bis ich wieder zu einer Bank mit Aussicht komme: direkt über Heubach. Man sieht auch gut den Rosenstein, auf den ich mich schon sehr freue, weil mir letztes Jahr die Höhlen dort so gut gefallen haben. Da es erst 14 Uhr ist und ich an diesem Tag nicht weiter als Heubach wandern kann, da die nächste Stadt, von der es sinnvolle Busverbindungen gibt, zu weit weg ist, bin ich etwas enttäuscht. Schon fertig für heute? Mist. Ich lese ein wenig auf der Bank und genieße die Aussicht.

Auf der Karte habe ich morgens schon gesehen, dass es hier 3 Höhlen am Berg gibt. Aber kein rechter Weg zu ihnen. Wie ich die wohl bei dem Schnee finden kann? Zeit hätte ich. Ich laufe den schmalen, vereisten Serpentinenweg den Hang runter. Auf dem Weg selbst kann man nicht laufen, wenn man nicht abrutschen will. Ich beschließe gleich für den folgenden Tag nicht die nächste Etappe zu laufen, weil ich weiß, dass es dort auch solche Wege gibt, und habe schon eine Alternative in niederen Lagen parat, die hoffentlich eisfrei zu laufen sind (nicht ganz wie sich herausstellen wird, aber dazu beim nächsten Mal mehr). Ich laufe neben dem Weg direkt an der Schräge, was im Sommer undenkbar wäre. Aber der vereiste Schnee hält einen gut. Als der Weg eine 180 Grad Kurve macht entscheide ich mich den Hang querfeldein runter zu gehen anstatt um die Kurve zu rutschen. Es ist verdammt steil. Aber der Schnee hält mich. Genial. Und dann sehe ich Wildspuren und es sieht aus wie wenn hier ein uralter schlechter Weg am Hang entlang geht. Der Schnee hält ja gut, also laufe ich los. Das könnte die Höhe sein, in der die Höhlen zu finden sind. Und Wildtiere können sich bestimmt auch im Winter daran erinnern wo die Wege unter der Schneedecke sind. Es ist schwierig hier zu laufen. Es ist tatsächlich ein alter Weg, aber in einem ganz schlechten Zustand. Er ist schmal und manchmal schon wieder vom Hang verwischt und kleine Bäume und Sträucher wachsen schon wieder dort. Ich rutsch ein paar Mal, gehe aber weiter, freue mich über das Abenteuer. Dann wird der Weg wieder besser und es gibt auch menschliche Spuren darauf. Aber er führt nach oben! Halt, ich wollte doch auf halber Höhe bleiben!

Und dann sehe ich von rechts einen Jogger kommen. Ja, richtig! Ein Jogger auf dem Berg bei Schnee und Eis. Ich spreche ihn auf die Höhlen an und frage ihn wie man sie findet. Erst ist er ein bisschen wortkarg, aber dann kommt er richtig in Schwung. Die Fasnetshöhle seit toll, da habe er schon öfter übernachtet. Und die Jakobshöhle finde ich durch ein Metallseil, das den Weg nach unten begleitet. Und dann muss ich hier runter und dort rüber, dann wieder hoch, 300m weiter und wieder runter. Er erzählt mir dann noch von den Höhlen am Rosenstein und ich bin rundum informiert von einem echten Outdoorler der Ostalb! Genial.

Ich mache mich also auf die Suche nach der Fasnethöhle. Nicht so einfach, weil die Wege nach Aussage meines Joggers kaum begangen sind und bei Schnee eh nicht zu finden. So folge ich seinen Erklärungen und gehe an der Stelle, an der ich den Weg vermute steil den Hang runter. Nur der Schnee hält mich. Noch beim runter laufen denke ich mir – das musste ja nachher alles wieder hoch! Na egal, ich wollte Abenteuer, nun habe ich es. Ich sehe links eine Wildspur und folge ihr und finde am Fels tatsächlich eine Höhle! Ich bin begeistert! Ob es nun die Fasnetshöhle ist kann ich natürlich nicht mit Bestimmtheit sagen, aber es ist eine Höhle! Und man könnte auch darin übernachten. Auf dem gleichen rutschigen Weg zu meinem steilen Weg zurück gehe ich noch tiefer den Hang hinunter, da rechts auch Felsen zu sehen sind. Auch dort biege ich auf einer Wildspur ab. Aber die ist gar nicht so einfach zu laufen! Und der Hang ist steil, verdammt steil! Meine Abenteuerlust lässt mich weiter gehen als ich sollte und ich rutsche ab, kann mich jedoch fangen, merke aber gleich, dass ich mich am Pomuskel gezerrt habe. Ich kann von Glück sagen, dass ich nicht weiter abgerutscht bin, das hätte gefährlich werden können. Ich verharre erst einmal, um den Schrecken zu verdauen und wieder zur Ruhe zu kommen. An ein Weiterkommen ist nicht zu denken, wenn ich nicht nochmals abrutschen will. Zu steil, und matschig unter dem Schnee. Bei trockener Witterung und mit Stöcken im Gepäck hätte ich es gewagt, aber ich muss eingestehen, dass es besser ist umzukehren, auch wenn mir das gar nicht passt. Die ersten Meter zurück sind schwer. Jeder Schritt mit dem Bein der Zerrung am A… tut weh. Und es ist rutschig. Nun bin ich vorsichtiger als zuvor. Aber ich schaffe es gut zum steilen Weg zurück. Ich habe die Handschuhe angezogen und stütze mich zusätzlich mit den Händen, da ich so am Berg einen besseren Halt habe. Das funktioniert ganz gut, da ich so wieder die Eigenschaft des leicht vereisten Schnees nutze, mich zu halten. Den steilen Weg gehe ich zunächst aufrecht, merke aber, dass es verdammt anstrengend ist und die Zerrung tut ihr übriges. Und der Weg ist weit den Berg hinauf! Vielleicht wäre es an dieser Stelle leichter gewesen nach unten zu laufen. Aber so habe ich nochmals die Hände zu Hilfe genommen und schon kam ich besser voran. Oben angekommen brauche ich dringend eine Pause. Das hat ordentlich an den Kräften gezehrt. Natürlich wäre ich nun noch gerne zur Jakobshöhle gegangen, den Weg mit dem Metallseil suchen, aber die Zerrung macht das unmöglich. Ich frage mich, ob ich die morgige Tour überhaupt laufen kann.

Schließlich siegt die Vernunft und ich laufe wieder zu der Bank mit Aussicht auf den Rosenstein. Die Rast dort genieße ich nochmals und steige dann nach Heubach ab. Am Rathaus angelangt habe ich Glück und es fährt 10 Minuten später ein Bus Richtung Schwäbisch Gmünd (Stadtbus Nr. 1) wo ich in den Zug umsteige.

Auf der Fahrt nach Schwäbisch Gmünd rein sehe ich schon wie die Menschen die Straßen säumen. Es ist Faschingsumzug! Als ich an dem Gleis stehe sehe ich auch schon erste Gruppen ankommen. Der Umzug ist vorbei, und nun fahren einige mit dem Zug nach Hause. Die Hexen steigen mit ihren Masken mit mir in den Zug ein. Die Kapelle mit dem Glockenspiel läuft spielend durch die Unterführung auf die andere Seite des Bahnhofs. Richtig gute Stimmung.